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Hintergrund

Die IAA 2017: Ein Spagat zwischen Vernunft und Emotion

Im Mittelpunkt der 67. Internationalen Automobilausstellung (IAA) stehen noch bis zum 24. September Fahrzeuge, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten: Alle Hersteller, die (noch) unter dem Frankfurter Messeturm vertreten sind, bemühen sich, ihren Beitrag zum Aufbruch ins Zeitalter der Elektro-Mobilität auf ihren sündhaft teuren Ständen nach zu weisen. Gleichzeitig aber berühren Mercedes. Audi, BMW, Porsche und Co. sowie die reinen Sportwagen-Fabrikanten mit ihren neuen Super-Cars auch wieder die Emotionen, das Herz der Besucher.

Viele Hunderttausend Menschen werden bis zum Tag der Bundestagswahl in die Hallen 1 bis 11 und auf die Freigelände kommen, weil sie neben den Lösungsvorschlägen für die Mobilität der kommenden Jahre auch etwas Anderes als Pragmatismus sehen wollen. Autos nämlich, die möglichst jede Menge PS unter der Haube haben, möglichst schnell sind (am besten jenseits der 300er Marke) und für die meisten  Bewunderer einfach unerschwinglich. Denn Träumen nicht nur, sondern muss erlaubt sein.

So wie beispielsweise beim „Project one“ von Mercedes-Veredler AMG. Von dem 1000 PS starken und drei Millionen teuren Super-Boliden gibt es nur 275 Stück. Und die sind bereits alle über die „Ladentheke“ gegangen. Obwohl es laut Mercedes trotz des horrenden Preises deutlich mehr Anfragen für den Extrem-Sportwagen gegeben hatte, den Ex-Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton bei der Premiere in Frankfurt auf die Bühne chauffierte.

Zwar stecken  in diesem IAA-Star des Jahres 2017 neben einem V6-Motor, der aus nur 1,6 Liter Hubraum 759 PS herausholt, vier Elektromotoren: Zwei mit jeweils 163PS Leistung an den Vorderrädern; ein weiterer, gleich starker, der mit der Kurbelwelle des Verbrenners verbunden ist. Hinzu kommt ein weiterer Elektromotor mit  122 PS,  der mit seinen  bis zu 100.000 Umdrehungen den Turbo antreibt. Dass man mit diesem „Project One“ laut Hersteller auch rund 25 Kilometer alleine mit dem elektrischen Antrieb zurücklegen kann, war aber sicherlich kaum ein Argument bei der Kaufentscheidung  eines der neuen Besitzer gewesen.

Die IAA wird sich trotz aller Bemühungen um das Vorabtreiben beim Bau ökologischer  Automobile auch in diesem Jahr bei einem lieb gewordenen Ritual der vergangenen Jahrzehnte treu bleiben: Sie wird die Augen der Besucher mit Autos zum Leuchten bringen, die möglichst schnell, stark und teuer sind. Und nicht mit denen, die möglichst sparsam und Umwelt schonend sind. Von preisgünstig in diesem Falle erst gar nicht zu reden.

 

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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